So manchem Späher würde es bei der Ankunft am Lagerplatz, unweit des kleinen Ortes Edelschrott, genauso gehen wie den Eltern eine Woche später beim Besucherwochenende. Staunend blickten sie auf den Lagerplatz, der sich auf einer Halbinsel, flankiert vom Wald befand und elegant in den Packer Stausee mündete. Diese Wiese, mit Privatstrand und Steg, würde für die nächsten zwei Wochen unser zu Hause werden. Doch zuerst musste es noch errichtet werden.

Bei Aufbau des Lagers boten sich zwei Besonderheiten. Zum einen wurden die Patrullenstellen, nicht wie üblich getrennt voneinander gebaut, sondern zu einer großen, sternförmigen Patrullenstelle zusammengebunden, sodass jede Patrulle zwar ihren eigenen Bereich hatte, aber dennoch alle am selben Ort waren. Die zweite Besonderheit war eine Konstruktion, die äußerst selten auf Späherlagern gebaut wird und zwar ein Floß. Es war dreieckig und erhielt seinen Auftrieb durch drei LKW Schläuche, die jeweils an den Ecken befestigt waren. Damit, sowie mit drei weiteren Wasserfahrzeugen, wurde der Packerstausee erkundigt.
Doch die fleißige Arbeit der Späher wurde unterbrochen als ein Ökoaktivist den Lagerplatz betrat und von der Edelschrott AG erzählte. Er lobte das Entsorgunsunternehmen und berichtete wie es den Müll in der Region effizient und vor allem umweltschonend verwertete. Die Firma errichtete sogar Müllbarometer, die die Verschmutzung in der Region anzeigten. Zufällig befand sich ein solches Barometer auch bei uns am Lagerplatz und wahrhaftig zeigte es ein vorbildlich niedriges Niveau an Müllverschmutzung an.

Doch in den kommenden Tagen sollte das Barometer immer höhere Werte an Verschmutzung anzeigen. Dies stand im Widerspruch zu den Aussagen der Bewohner in der Umgebung, die berichteten, dass ihre Barometer viel niedrigere Werte anzeigten. Irgendetwas war wohl faul an der Sache. Gerüchte machten im Spähertrupp die Runde; konnte es sein das die Edelschrott AG vielleicht doch nicht so anständig war wie anfangs berichtet?

In der Zwischenzeit unternahmen die Späher auch andere Aktivitäten. Sie stellten ihren Orientierungssinn bei einem Orientierungslauf unter Beweis, maßen sich während eines Lagerturniers in Brennball und Fußball und stärkten sich an einem extra auf für sie auf dem Lagerplatz errichteten Würstelstand. Ein weiterer kulinarischer Höhepunkt war der Kochwettkampf, bei dem die Patrullen türkische, italienische sowie amerikanische Gerichte zauberten. Besonders große Augen machten die Späher als eines Tages völlig unerwartet anstelle von einem lauten „Tagwacheee!“ die Guidesführerinnen sie behutsam aus dem Schlaf weckten um mit ihnen einen verkehrten Tag zu erleben.
Doch nun zurück zum seltsamen Fall der Edelschrott AG. Im Laufe von nächtlichen Erkundungswanderungen, Überfahrten über den Packerstausee und dem Sammeln von Beweisen bestätigte sich der Verdacht: Die Edelschrott AG entsorgte den Müll nicht, sie kippte ihn einfach in den Packerstausee.

Daraufhin entwickelten die Späher eine Reinigungsmaschine um den See etwas zu säubern, doch der Schaden war schon angerichtet. Dank der Erfindung der Burschen kann jetzt zwar wieder im See gebadet werden, trotzdem konnte er nicht komplett gereinigt werden.

Die Kinder fuhren diesmal nicht mit einem perfekten Ende nach Hause in dem das Gute siegte und das Böse bis in alle Ewigkeit verdammt wurde und eigentlich nichts passiert ist. Dafür fuhren sie mit dem Bewusstsein nach Hause, dass nicht alles, wie in einer Pfadfinderspielgeschichte, wieder rückgängig gemacht werden kann und bereits in der Gegenwart unserer Aufmerksamkeit bedarf. Unsere Umwelt wäre da eine solche Sache.