Einige tausend Kilometer von zuhause entfernt mitten im wilden Russland sitzend war es angesichts des drohenden Redaktionsschlusses unserer Zeitung mein Plan, einen Artikel über das diesjährige WiWö Sommerlager aus Sicht eines Pfadfinderführers zu verfassen. Ich machte einige langweilige Entwürfe für einen Text, kam nicht weiter, doch da kam mir glücklicherweise jemand zur Hilfe und statt des Berichts gibt es eine spannende Story, frei nach meinen Notizen. In diesem Sinne: I sog‘s glei, i wor‘s ned!

Horst und Oger – eines Pfadfinderführers fantastische Abenteuer in einem Teil – frei nach wahren Begebenheiten
Autoren: nur dem Verfasser bekannt
Alles begann am ersten Feriensamstag. Ich wusste, dass die Ruhe nach dem Prüfungsstress trügerisch war und ich sollte mich nicht täuschen. Dieser Tag stellte sich als Start einer Reihe schon fast unglaublicher Ereignisse heraus, doch zurück zum Beginn:

Als ich frühmorgens am Treffpunkt ankam, waren schon alle 55 nichtsahnenden WiWö da. Doch auch wir wussten nicht, was uns bevorsteht. Das Ziel war klar: Mühlbach am Hochkönig, aber bevor wir dieses erreichen sollten, gab es noch einige Hindernisse zu überwinden…

Das Warten auf den Bus gestaltete sich ungewöhnlich, denn ohne Vorwarnung vernahm ich eine gewisse Unruhe. Es traf mich wie aus heiterem Himmel. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Meine schlimmste Befürchtung wurde wahr. Eine dunkle Bedrohung näherte sich uns rasant vom Schottentor! Ein Braunbär, angelockt vom Geruch frischer Wichtel, mit der Größe eines Ulfs, bereitete sich auf den Angriff vor. Ich spürte, wie das Adrenalin meinen Körper auf den bevorstehenden Kampf rüstete. Durch meine 12-jährige Pfadfindererfahrung war mir sofort klar, dass ich es war, der dem Bären entgegentreten musste. Bewaffnet mit meinen Fäusten und ausgestattet mit meiner Entschlossenheit stürzte ich mich ins Gefecht. Schon nach kurzer Zeit konnte ich den Sieg erringen. Ich sprach mich mit dem Bären bei einem Glas Honig aus und wir schlossen Freundschaft. Von nun an sollte er unsere Truppe auf ewig begleiten. Nach erfolgter Anwesenheitskontrolle konnten auch der Bär und ich die Fahrt genießen. Das Abenteuer ging weiter…

Erledigt von den Ereignissen des Tages kamen wir endlich in Mühlbach an. Die Übelkeit vom Honig war durch den Gesang der WiWös und die kurvige Bergstraße nicht besser geworden. Doch jetzt waren wir endlich da, und nach einer ersten
Erkundung der unbekannten Umgebung und einer Stärkung fielen schließlich alle erschöpft ins Bett…
Aufgeweckt vom knurrenden Magen des Bären und dem Heulen der Wölflinge im Stockwerk drunter konnte der Tag beginnen. Nach einer Runde Bärenpilates gab es Frühstück mit Aussicht auf den Hochkönig in der blutigen Morgensonne. Jetzt fehlte freilich nur mehr ein Glas Honig für einen guten Tag in den Start.

Doch man soll den Abend nicht vor dem Tag loben. Afterhour ist vor der hour. Das nächtliche Gebrüll des Bären schreckte auch das letzte Wichtel auf. Wir schreiben ein Uhr nachts, das Nachtgeländespiel kann beginnen. Gestärkt durch die Worte meiner inneren Stimmen Amadea und Katja war ich allzeit bereit. Auf sich allein gestellt irrten die WiWös durch den finsteren Wald. Schreie aus der Dunkelheit holten meine schlimmsten Erinnerungen zurück. Vor genau 10 Jahren wurde ich von einer bösen Hexe entführt, sollte sich dieses Schicksal wiederholen? Doch nein, es traf nicht mich sondern einen anderen! Wir sollten ihn länger nicht mehr sehen…

Der nächste Tag zeichnete sich nicht so düster ab, deswegen wagten wir den Aufstieg auf den berühmt-berüchtigten Gruselhochkeil. Der Aufstieg war hart und fühlte sich endlos an. Fast kam es zu einer Tragödie, aber ich konnte das Unglück im letzten Moment abwenden. Einem jungen Wichtel glitt das icePhone aus der Hand und fiel 10 Meter senkrecht in die Tiefe, Gott sei Dank war das Display schon vorher beschädigt. Verwirrt und in einer Trance durch den Verlust des icePhones, wollte das Wichtel hinterherstürzen. Doch der Bär hielt es zurück. Ich zögerte nicht lange, nahm ein Seil, gab das eine Ende dem Bären, der noch immer das zappelnde Kind sicherte und seilte mich zum icePhone ab. Hatte ich dabei Angst? Nein! Zurück bei der Truppe wurde ich gefeiert. Ich ging als Held aus dieser Geschichte hervor. Endlich am Gipfel angekommen, vernahmen wir die Geräusche eines Flugzeugs. Während es über unsere Köpfe hinwegflog, kam ein nicht identifizierbares Fluggerät unaufhaltsam auf uns zu. Wer konnte es jetzt noch stoppen? Ein Fallschirm. Langsam glitt das Objekt zu Boden. Rasch stellte sich heraus, dass es eine Gulaschkanone war. Georg und Willi hatten sie uns zur Rettung geschickt. Was für ein Tag!
Doch nicht nur die zuvor beschriebenen Ereignisse machten dieses Lager ganz besonders. Das Highlight schlechthin war die Premiere unseres Truppensongs performt durch unseren Lagerwurm Horst. Ein wahrlicher Ohrwurm, der für Gänsehautfeeling sorgte. Das Gefühl, wenn Horst den selbstkomponierten Truppenrap zum Besten gibt, der Bär die Erde mit dem Akkordeon zum Beben bringt und die Flammen des Lagerfeuers nicht nur uns, sondern auch unsere Herzen wärmten, kann man auch mit einem ewig langen Satz nicht in Worte fassen. Unbeschreiblich!

So flink wie das Eichhörnchen von einem Ast zum anderen hüpft, verging auch die Zeit dieses Sommerlagers. Rechtzeitig zum Abschlusslagerfeuer kehrte auch das entführte Wichtel zur Truppe zurück, nachdem es die Hexe in den Ofen gestoßen hatte. Am letzten Tag konnten wir noch Teil einer außergewöhnlichen Feier werden. Denn nicht nur Pokemons, sondern auch Pfadfinder entwickeln sich weiter. Die Wölflinge des dritten Jahrganges sind nicht mehr. Aus ihnen wurden nun wunder-
schöne Späher. Das zu sehen war für mich persönlich besonders herzergreifend, da ich sie die letzten drei Jahre hindurch auf ihrem steinigen Weg begleiten durfte; und nicht nur sie haben von mir gelernt, sondern auch ich konnte vieles durch unsere gemeinsame Zeit mitnehmen. Um dem ganzen einen besonderen Abschluss zu verleihen, jagten wir traditionellerweise einen Oger mit Fackeln und Mistgabeln durch den Wald. Das romantische Bild dieser Unternehmung vor dem Hintergrund des nächtlichen Hochkönigs lässt sich nur schwer vermitteln.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich auf eine Woche voller Spannung und Abenteuer zurückblicken kann.
Gut Pfad, auf allen euren Pfaden, Pfadfinder!